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Alltag

Mittlerweile bin ich doch im Alltag Nepals angekommen.
Oder zumindest im Alltag dieses Hauses von dieser NGO in diesem Teil von Nepal.
Nachdem ich zwischenzeitlich ein ziemliches Tief hatte und einfach auf nichts mehr lust hatte, habe ich mich damit arrangiert, dass ich zumindest nicht jetzt all diesen Hunden auf der Straße und in diesem Haus helfen kann.
Was mir mal wieder geholfen hat, damit fertig zu werden, war das Pläne machen.
Würde ich nicht die ganze Zeit Pläne für meine Zukunft machen, wäre die Gegenwart für mich deutlich schwerer.
Was ich in der Gegenwart gerne machen würde, aber es gerade nicht möglich ist, wird zu einem Plan und im Laufe der Zeit wird der Plan immer genauer und immer besser ausgearbeitet. Und irgendwann wird der Plan realer.
Ich glaube fest daran, was ich wirklich will, kann ich auch erreichen. Auch meine Reise war vor einigen Jahren nur ein Plan. Noch sehr wirr und Naiv. Es war gut, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht sofort los reisen konnte.
Ich versuche immer, den Zustand, in dem ich nichts ändern kann, aber ein Problem sehe oder einen großen Wunsch habe, als Zwischenphase zu sehen. Eben eine Planungsphase in der ich die Zeit bekomme, meinen Plan genauer aus zu arbeiten.
Manche Pläne liegen weiter in der Zukunft, andere womöglich eher in der nahen Zukunft.
Und ich habe in Nepal mal wieder gemerkt, dass Probleme, mich immer zum Nachdenken anregen. Ich sehe ein Problem und nach dem Gedanken "Das geht so nicht" fängt mein Kopf automatisch an, über eine Lösung nach zu denken.
Ich bin der Meinung, dadurch habe ich über die Jahre eine große Anzahl an richtig guten Ideen für Projekte zusammen gestellt und einige sind schon sehr genau ausgearbeitet.
In Nepal war ich erst Mal damit überfordert, dass alles auf ein Mal da war.
Schmutz, verrückter Verkehr, Armut, viele Straßenhunde und Kinder, die stark nach Straßenkindern aussehen.
Ich war nicht naiv, als ich her kam. Ich wusste hier gibt es Probleme. Ich wusste Nepal ist ein armes Land. Deshalb bin ich ja auch her gekommen um in einem Projekt zu helfen.
Es ist aber ein Unterschied darüber zu wissen, Bilder zu sehen oder es eben direkt vor der Nase zu haben.
Es mag Menschen geben, die das genau so wenig berührt, wie Bilder oder das Wissen darüber, das so etwas existiert.
Ich bin aber nicht so.
Mich interessiert und berührt jeder einzelne Hund, der alleine auf der Straße herum läuft. Mich interessiert, ob der Hund gesund ist und ob er Besitzer hat.
Es intressieren mich die einzelnen Hunde der momentan 10 Hunde in dem Haus, in dem ich lebe.
Zugegeben, nicht alle gleich viel, aber die zwei, die mich so gut wie gar nicht interessieren, sind die zwei faulsten, die am meisten zu Essen bekommen und auch die meiste Aufmerksamkeit bekommen. Und für mich nervtötend sind.
Zwei Möpse die die ganze Zeit nur rum liegen und schlafen. Und wenn nicht dann leckt die eine der anderen die Augen und Ohren sauber, was total ekelig ist. Sie schnarchen, kleffen und sind - finde ich - nur minimal süß. Und ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wieso alle so ausflippen, wenn sie sie sehen. Ich meine, daneben tapst ein super süßer Retriever-Mix-Welpe herum, der rum gescheucht wird, weil er halt als mal noch ins Haus pinkelt. Ist ja auch kein Wunder, wenn man nichts dafür tut, um den Hund stubenrein zu bekommen.
Dann ist da noch ein großer Schäferhund, der sich die meiste Zeit für einen kleinen Hund hällt und gerne den ganzen Tag gestreichelt werden will.
Nur wenn ein anderer Hund in sein Territorium kommt, dann ist er ein Bär. :D
Ganz abgesehen von den sechs weiteren Hunden, die die ganze Zeit auf dem Hof leben. Zwei Retrievermixe, die super lieb, super verfressen und super verspielt sind. Zwei Cocker Spaniel, die den ganzen Tag nur gestreichelt werden könnten, ein Boxer, der total wild, aufgedreht und durchgknallt ist, den ganzen Tag rennen könnte, am Ende aber doch einfach nur Aufmerksamkeit sucht und doch was sehr süßes an sich hat und eine große Hündin, von der ich die Rasse nicht kenne. Ich denke sie ist ein Mischling. Vielleicht ist sie schon älter, denn sie hat alles ganz gerne ruhig und langsam. Ihr sind die beiden Retriever und der Boxer zu wild. Sie liebt es, frei auf der Straße herum zu tapsen, mag aber auch den Kontakt zum Menschen. Sie liebt es den Kopf gekrault zu bekommen.
Über Streicheleinheiten freuen sich alle diese Hunde und wenn sie sich ausgetobt haben, kann es dann doch mal kompliziert werden, wenn alle Hunde gleichzeitig ihre Schmuseeinheit haben wollen.
Ich lebe mit diesen Hunden zusammen und ich interessiere mich für sie.
Es tut mir jedes Mal leid, sie immer wieder in den Hof sperren zu müssen, gerade, weil sie deutlich signalisieren, dass sie da nicht raus wollen. Eine der Retrieverdamen legt sich dann immer auf dem Teppich auf die Seite, manchmal auf den Rücken und schaut einen an, als würde sie sagen "Guck, ich kann nicht laufen, ich bleib hier einfach liegen" Immer, wenn ich dabei bin, alle anderen Hunde wieder aus dem Raum, in dem ich sie immer wieder toben lasse, raus in den Hof zu bringen. Dann legt oder setzt sich Perri die Cocker-Spaniel Dame auf einen Sitz, der eigentlich für die Kinder ist. Das hat sie sich als ihren Platz ausgesucht. Sie sitzt dann da als würde sie mir sagen "Das ist mein Platz, ich bleib hier, ich gehöre da nicht raus" und Whitie die Retrieverdame liegt auf dem Boden und schielt mich an.
Das sind die ausgefalleneren Methoden der Hunde, mir zu sagen "Nö da mag ich nicht raus". Im Allgemeinen wehren sich alle Hunde nach dem Spazieren gehen, wieder in den Hof zu müssen.

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